Dr. Daniel Gärtner

Jahrgang:1979
Geburtsort:Rosenheim
Wohnort:Flintsbach am Inn

Lebensmotto: Wähle den Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben zu arbeiten. (Konfuzius)

Wie lief dein sportlicher Wertegang in während deiner Schulzeit?

Mit 6 Jahren bin ich in unserem Ski-Verein Ski gefahren. Hat mir aber keinen Spaß gemacht. Es war mir immer zu kalt und ich habe auf der Skipiste gefroren – auch heute noch.
Mit 7 Jahren war ich im Turnverein und genoss eine klassische Turnausbildung. Parallel dazu war ich im Fußballverein bis etwa 12. Zwischendurch etwas Leichtathletik und 4 Jahre lang Fechten.
Mit 13 Jahren startete ich meine Karriere im Kampfsport. Ich habe mit traditionellem Karate (Kun-Tai-Ko) begonnen und im gleichen Verein mit 15 Jahren Kickboxen angefangen. Um im Kampfsport besser zu werden, nahm ich regelmäßig Ballett-Unterricht. War anschließen lange Zeit im Bayerischen Kickbox-Kader, wurde mehrfacher Bayerischer und Deutscher Meister. 1999 Junioren-Weltmeister und 2000 habe ich den World Cup der Erwachsenen gewonnen. 2001 dann noch einmal Weltmeister und in den Jahren danach mehrere gewonnene Turniere in Amerika und Kanada.

Nach deiner Schulzeit hast du Sport auf Lehramt studiert und noch einen Bachelor in BWL sowie einen Master in Sportökonomie. Wie war dein Weg zu diesen 3 Abschlüssen?

Ehrlich gesagt wusste ich nach der Schule und Bundeswehr nicht wirklich, was ich beruflich machen sollte. Irgendetwas im Bereich Sport müsste es aber werden. So entschloss ich mich, Lehramt Sport für berufliche Schulen, erst mit Informatik und dann schlussendlich mit Wirtschaft als Erstfach, an der Technischen Universität München zu studieren. Parallel zum Lehramtsstudium schrieb ich mich an der Universität für eine Berufsfachausbildung zum staatlich geprüften Sportlehrer mit sehr viel Praxis und hohen körperlichen Leistungsanforderungen ein. Danach habe ich an der FH BWL studiert, da ich noch einen Abschluss in einem Wirtschaftsfach verbuchen wollte. Zu dieser Zeit arbeitete ich bereits mit einer halben Stelle als Dozent an der Technischen Universität. Zunächst unterrichtete ich ausschließlich in Praxisfächern wie etwa Turnen, Fitness und Kampfsport. Etwas später auch Theoriefächer im Bereich Trainingswissenschaften, Anatomie und Physiologie. Dort wurde mir die Möglichkeit einer Promotion angeboten. Jedoch musste ich für diese Promotionsstelle einen Masterabschluss vorweisen. Aus diesem Grund studiere ich Sportökonomie und schloss mit einem Master of Arts ab. Danach wurde ich mit einer vollen Stelle befristet auf 6 Jahre als Dozent und Forscher angestellt und beendete meine Promotion im Fachbereich Biomechanik 2013. Seit 2016 arbeite ich unbefristet hauptamtlich als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent an der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften der Technischen Universität München.

Du arbeitest hauptberuflich an der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaft der Technischen Universität München – was sind dort deine Schwerpunkte?

In meiner Promotion forschte ich über 6 Jahre auf dem Gebiet des Beweglichkeitstrainings und stellte fest, dass eigentlich vieles rund um das Thema Dehnen, Faszien und Mobilität umfassend erforscht wurde. Der Transfer in die Praxis ist jedoch sehr hürdenreich und viele Themen werden in der Fitnessbranche marktschreierisch von selbsternannten Experten propagiert. Neben dem Beweglichkeitstraining bin ich nach wie vor in der Biomechanik tätig, leite Seminare für Studierende und führe Sportmotorische Tests mit dem Schwerpunkt Kampfsport, Leistungssport, Fitness- und Rehasport durch. Zudem unterrichte ich zu über 50% in der Praxis. Im Sommersemester vorwiegend Lehramtsfächer im Turnen und Gesundheitssport. Im Wintersemester die Studiengänge Sportwissenschaften mit den Kursen Trainingsaspekte, Funktionsgymnastik und sportmotorische Tests und Gesundheitswissenschaften mit Functional Fitness sowie Lehramt in einem sportmedizinischen Modul mit dem Schwerpunkt gesundheitsorientierte Fitness. Zum Forschen komme ich aktuell leider zu wenig.

Neben deiner Tätigkeit an der Uni in München arbeitest du auch noch als freier Referent? Wie ist es dazu gekommen – außerhalb der Uni zu unterrichten? Was sind dabei deine Schwerpunkte besonders auf den Fitness- und Gesundheitssport bezogen?

Ich wurde bereits als Student von Verbänden regelmäßig als Fortbildungsreferent im Fitness und Gesundheitssport angefragt. Angefangen hat jedoch alles mit KIBO Kickbox-Aerobic. Anfang der 2000 Jahre stand ich häufig auf kleinen Fitnessbühnen und begeisterte die Menschen für die Kombination aus Kickboxtechniken, Aerobic und Power-Moves. Nach und nach wurde ich aber auch für theoretische Inhalte gebucht. So setzte man mich im Bereich der Übungsleiterlizenzverlängerungslehrgänge ein, in welchen ich über Functional Fitness, Krafttraining, Koordination, Gesundheit und Bewegung referierte. Während meiner Promotion stand ich häufig auf Kongressen auf der Bühne und redete über meine Forschungen. Das gehört quasi zum Pflichtprogramm eines Doktoranden. Seit einigen Jahren bilde ich für die Regierung von Bayern und Schwaben Seminarlehrer fort und stehe auch auf anderen Veranstaltungen zu Gesundheitsthemen auf der Bühne. Im Dezember bin ich beispielsweise auf einem Kongress in der Schweiz im Einsatz.

Du bist seit vielen Jahren schon Presenter für KIBO-Aerobic – hast du dieses Programm selber entwickelt oder wie ist es dazu gekommen?

Ja, das habe ich. Inspiriert natürlich von Billy Blanks, den ich noch aus meiner aktiven Leistungssportzeit als Kickboxer kannte. Billy vermarktete sein Tae Bo bereits Mitte der 90er Jahre. Ich entwickelte für den Fachverband für Kickboxen WAKO ein ähnliches Konzept auf Verbandsbasis, welches nicht kommerziell vermarktet wurde. In meinem Konzept sollten die Kickbox-Techniken authentisch integriert werden. Die Umsetzung der Techniken im Tae Bo gefiel dem Verband nicht sonderlich, da sie teilweise sehr vereinfacht gelehrt wurden. Es dauerte etwa 5 Jahre, bis 2004 dann die erste Trainerausbildung für Kickbox-Aerobic über den Fachverband WAKO angeboten wurde. Ein paar Jahre später erarbeitete ich mit Robinson Wellfit ein Kurskonzept, welches neben Kickbox-Aerobic auch HIIT-Elemente integrierte. Und geboren war KIBO.

Kleine Anekdote: Als Kursleiter habe ich sehr früh angefangen. So leitete ich bereits mit 16 Jahren einen Selbstverteidigungskurs in einem Fitnessstudio. Aus diesem wurde allmählich ein Kickbox-Fitnesskurs mit Aerobicelementen. Als ich Ende 1999 einen Kurs für meinen Kollegen Robert Steinbacher (er war mit Johanna Fellner und mir damals im gleichen Gym) vertreten musste, hat mich das Feuer des Gruppenfitness und Aerobic gepackt.

Was ist das besondere an KIBO-Aerobic?

KIBO gibt dir als Instructor die Möglichkeit, verschiedene Zielgruppen abzudecken. Es kann sowohl als Intervall-Variante als auch als Dauermethode im klassischen Aerobic Stil umgesetzt werden. Aktuell wird von den Kunden jedoch vorwiegend die High Impact Varianten mit sehr vielen Drills und HIIT-Elementen nachgefragt. Darüber hinaus lässt KIBO sehr viel Spielraum für Kreativität und eigene Vorlieben. So geben wir in der Ausbildung zwar Basics vor, welche die Struktur einer KIBO-Stunde bilden, lassen den Instructor aber genügend Freiheiten, diesen Kurs individuell zu gestalten. Grundsätzlich ist KIBO nach einem klassischen Aerobic-Muster – 4/4 Takt – kleine Combos – große Choreographie – aufgebaut. Es gibt aber auch die Variante FIGHT HIIT, welche sich vom Musikbogen löst und gerade für Kampfsporttrainier, Übungsleiter und Vereinstrainer ohne Musikkenntnisse einfach umsetzbar ist. Dieses Konzept ist rein auf den Trainingsbereich fokussiert und stellt ein fitnessorientiertes Kickbox-Training mit Musikbegleitung dar. Man arbeitet dabei auch mit Boxsäcken, Schlagpolstern und Springseilen. Ein sehr intensives Ganzkörperworkout.

Du referierst für die EuroEduation – Partner von Trainer meets Trainer seit 2021 – wie kam der Kontakt mit Roman Bayer zustande?

Ich war zur Gründungszeit von KIBO bereits vor über 2 Jahren für die Euro Education im Einsatz. Vor einige Jahren stand ich wieder auf der Bühne und lernte Roman kennen. Etwas später trafen wir zum Videodreh für eine Online-Convention und haben uns sofort sehr gut verstanden.

Welche Projekte sind mit der EuroEducation geplant?

Aktuell ist ein Online-Quick-Workshop mit Patricia Bachmann, Roman Bayer und mir geplant. Patricia referiert zum Thema Core, Roman leitet eine HIIT-Class und ich einen Workshops zum Thema Beweglichkeitstraining. 2023 steht eine Functional Fitness Week in einem Robinson Club auf dem Plan. Es wird also nie langweilig.

Was ist für dich spannend bzw. besonders, wenn du andere Trainer aus dem Fitnessumfeld – also außerhalb der Uni – unterrichtest?

Spannend ist meist die Erkenntnis, dass vieles im Fitnessbereich nicht wissenschaftlich fundiert oder belegt ist. Ich muss gestehen, dass es aber auch nicht einfach ist, immer up-to-date zu sein. Denn ein Trainer hat häufig keinen Zugang zu wissenschaftlichen Datenbanken, noch sind die meisten in der Lage, eine Studie mit komplexen statistischen Auswertungen zu interpretieren. Aber das ist im Grunde auch nicht nötig. Dennoch ist es für mich immer erstaunlich, mit welcher Verbindlichkeit und Absolutheit Aussagen und Theorien dargestellt werden. Wir wissen so vieles noch nicht. Gerade eben werden von meinem Kollegen Prof. Wackerhage die Mechanismen der Muskelhypertrophie erforscht. Vieles rund um das Thema Krafttraining beruht auf Lehrbüchern ohne Evidenz. Spannend ist für mich in der Tat, Trainer etwas mehr zu sensibilisieren und zum kritischen Hinterfragen anzuregen. Wir wissen eben einfach noch viel zu wenig, um pauschal eine absolute Aussage treffen zu können. Das was bei einem Menschen funktioniert, muss noch lange nicht auf den anderen zutreffen.

Eine kurze Frage möchte ich dir natürlich auch zu deinen Büchern stellen. Wie ist es dazu gekommen, dich als Autor zu betätigen? Wird es weitere Bücher von dir geben?

Als Student arbeitete ich bereits als Model für einige Fitnessbücher. Nach einiger Zeit wurde ich vom BLV-Verlag gefragt, ob ich denn nicht ein eigenes Buch machen möchte. Man hätte da ein Buchprojekt und suche einen Autoren. Seither habe ich fünf Bücher geschrieben. Zum einen wurde meine Promotionsschrift als Buch veröffentlicht. Zum anderen schrieb ich drei Bücher zum Bodyweight- und Functional Training für den BLV-Verlag und veröffentlichte meine jüngstes Buch zum Faszien- und Beweglichkeitstraining über den EMF-Verlag. Seit zwei Jahren arbeite ich mit zwei Kollegen an einem wissenschaftlichen Buch, in welchem die Krafttrainingsmethode „Auxocise“ vorgestellt werden soll.

Dein Wertegang hat so viele Facetten – und nun wäre es spannend für uns Leser, wo dein Weg hinführt – welche Projekte gibt es für dich demnächst aber auch in weiterer Zukunft – was ist schon geplant?

Mein gesamter Fokus liegt momentan im privaten Bereich bei meiner Familie und meinen zwei Kindern. Da meine Mutter vor zwei Jahren an einer Corona-Infektion verstorben ist, haben wir uns entschlossen, mein Elternhaus von Grund auf zu sanieren und dort selbst einzuziehen. Nun bin ich seit knappt einem Jahr mehr Handwerker und Bauarbeiter als Dozent und Referent und hoffe, dass das Projekt Haus in ein paar Monaten abgeschlossen ist. Da mich dieser Umbau energetisch sehr fordert, ich täglich müde und ausgebrannt ins Bett falle, bleibt aktuell nicht mehr viel Zeit, um über neue Projekte nachzudenken. Dennoch möchte ich meine eigene Firma 5Dsports pushen, die B-Lizenz Functional Fitness ausbauen und die Zusammenarbeit mit der Euro Education festigen. Zudem möchte ich nach dem Hausbau meinem Youtube-Kanal wieder mehr Zeit widmen und neue Videos drehen. Ich habe mit Lara Mauermeier vor zwei Jahren ein cooles Kursprojekt namens „Balletics“ entwickelt. Darin kombinieren wir Ballett, Athletik und Kickbox-Elemente im Rahmen eines Gruppenfitnesskurses. Das würde ich gerne in Zukunft weiter ausbauen. Und ich denke auch wieder darüber nach, etwas im TV zu machen. 2016 war ich als Co-Moderator neben Ruth Moschner in der TV-Sendung Ewige Helden zu sehen. Die Sendung habe ich in den Folgejahren als Berater weiterhin unterstützt. Einige ähnliche Anfragen musste ich aus zeitlichen Gründen ablehnen, wobei mir solche TV-Projekte großen Spaß machen. Mal sehen was die Zukunft bringt.

aktualisiert: 26.10.2022